Offener Cut-Up an die Musikkapitalisten
Blog-Events, German April 26th, 2008Eine der Flausen, die ich seit einigen Tagen mit mir herumtrage ist es, einen eigenen Cut-Up Text zu verfassen. Ins Gehirn gepflanzt bekam ich diese Idee durch das 24C3 Resume des classless Kulla, der das viel besser kann als ich. Nur waren die Kommentare und Gedanken, die mir die Blogger heute zu dem offenen Brief an Frau Merkel lieferten, einfach zu gut um es nicht zu versuchen.
Aber genug des Disclaimers, es folgt der offene Cut-Up der Blogosphere an die Musikkapitalisten. Viel Spass ;)
200 “Künstler” jammern in einem offenen Brief an die Kanzlerin. Sie reden jedoch nicht von Kunst, sondern von Geld. Grundsätzlich ist die Wahrung von geistigem Eigentum durchaus zu unterstützen. Einen Brief mit so viel Ignoranz und Jammereinstellung zu schreiben ist schon echt übel und von den Unterzeichnern werde ich mir mit Sicherheit nichts mehr kaufen.
Jetzt weinst du… Ach, Das tut mir aber leid. Wenn es bei mir scheiße läuft, schreib ich auch keinen Brief an Mama Merkel und versteck mich hinter den Künstlern.
Es ist erschreckend, mit welcher Naivität die Künstler hier Methoden fordern, die von einer breiten gesellschaftlichen Schicht längst kritisiert werden. Letzten
Endes bedeutet dies, dass diese kreativen Köpfe Freunde von Diktatur und Überwachung sind. Genau solche Maßnahmen waren allerdings auch Anfang April vom Europäischen Parlament ausdrücklich abgelehnt worden.
Hey, warum sagt ihr Euren Kunden(!) nicht gleich, dass die sich verpissen sollen? Ach, das tut Ihr ja schon seit Jahren. Sorry, ich vergaß. Bewegt Euch oder geht unter, es juckt mich nicht… Was kann ich für euer geficktes Businessmodell?
Ein Künstler ist jemand, der seiner Kreativität freien Lauf lässt, ungeachtet materieller Faktoren. Der Künstler is kreativ, nicht der Abteilungsleiter Rechnungswesen. Spendet Brot für die Armen, insbesondere denjenigen Vollkünstlern, die dieses Pamphlet unterschrieben.
Allein die Idiotie, dem Urheberrecht und dem geistigen Eigentum einen Feiertag zu widmen, ist mehr als schwachsinnig. Es geht in ihm keineswegs um die Zukunft des Standorts Deutschlands und auch nicht um die Existenz junger Künstler, sondern - ganz banal - um die Sicherung von Pfründen.
[Ist] eines der Kernelemente unserer Gesellschaft, dass wir den Wert von Dingen nur noch am Zahlenwert vor dem Eurozeichen festmachen? Dass selbst Kultur heute Wirtschaft sein muss, um ernstgenommen zu werden? Von mir bekommt ihr nicht einen roten Heller, ich scheiß auf euer Eigentum. Kultur kann nur Allgemeingut sein! Die grössten Kunstwerke wurden nicht aus einem kommerziellem Zweck erschaffen.
Wenn man durch illegale Downloads “Künstler” wie DJ Ötzi und Scooter zum Aufgeben zwingen kann - ICH BIN SOFORT DABEI! Ein Schelm wer dabei Böses denkt! Es
wird an Vielfalt einen ernormen Schub geben, wenn die Musikindustrie nicht mehr bestimmt, was im Radio gespielt wird.
Wie viel Wahrheit steckt in einer von der Industrie selbst gesponsorten Studie? 70% Filesharing + 46% HTTP + 15% "Kleinkram" = 131% … Wow, da sieht man, dass das Internet ein Wachstumsmarkt ist. Völliger
Blödsinn, es geht doch nur um mehr Kohle, Zaster, Rendite. Ende.
Die Muikindustrie steht für mich synonym für Verzweiflung! Sie selbst wird als Übeltäter ihres eigenen Versagens ohnehin nie aus diesem Dilemma herauskommen.
16 Responses to “Offener Cut-Up an die Musikkapitalisten”
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April 26th, 2008 at 11:24
Schön, daß die Idee aufgegriffen wird - da gab es ja zuletzt schon die eine oder andere Regung: http://www.classless.org/2008/04/18/bei-blogsport-wird-vorsichtig-gecuttet/
Zum Inhaltlichen verweise ich nochmals auf Sabine Nuss, deren Ansatz zum “geistigen Eigentum” viel zu wenig bekannt ist: http://www.classless.org/2007/12/14/geistiges-eigentum-und-eigentum-uberhaupt/
April 26th, 2008 at 13:06
Wenn man den offenen Brief wirklich mal durchliest, wird man erkennen, daß dieser Blogeintrag oberflächlich und polemisch ist.
Man sollte sich also nicht nur auf Blogeinträge verlassen, um sich seine eigene Meinung zu bilden. Dem werden Sie sicher zustimmen, Herr Sturm.
April 26th, 2008 at 13:50
Muschi: Ich bin Herr Sturm und ich habe diesen Blogeintrag nicht verfasst, trotzdem spiegelt er meine Meinung zumindest teilweise wieder.
Du wirst sicher bemerkt haben, dass es sich bei diesem Eintrag um eine Compilation verschiedenster Zitate handelt, die nicht vom Autoren des Posts stammen. Zudem ist jede Art Berichterstattung von subjektiven Eindrücken und der Meinung des Verfassers geprägt. Ein gutes Beispiel ist dein Kommentar, es gibt sehr viele Leute, die deine Meinung wahrscheinlich nicht teilen und deine Einstellung zu dem Eintrag vielleicht als polemisch und oberflächlich betrachten.
Noch ein Tipp am Rande, wenn du wirklich ernst genommen werden willst, solltest du dir angewöhnen einen anständigen Namen beim Posten anzugeben und vielleicht eine richtige Email zu hinterlassen.
Zu guter Letzt will ich noch anmerken, dass man sich bei seiner Meinungsbildung vielleicht nicht ausschließlich auf die offenen Briefe von sogenannten Künstlern verlassen sollte die mit diesen persönliche Interessen vertreten …
April 26th, 2008 at 14:12
Hallo Muschi. Herrlich unpolemischer Nick ;-)
Erstmal vielen Dank für Deinen Kommentar. Aber warum wirst Du direkt persönlich, indem Du im Impressun den Realname des Domaininhabers nachschaust während Du Dich nicht einmal selbst mit einem echten Nick hinter Deine Reaktion stellst?
Ich möchte mich Siyb anschliessen und als Verfasser des Cut-Up noch kurz Stellung beziehen.
Die meisten der Blogposts, die ich hier verwendet habe, lassen den offenen Brief der Künstler in einem anderen Licht erscheinen und können dazu dienen, die Sicht auf das grundsätzliche Problem, nämlich das des in meinen Augen zu kapitalistisch geprägten Verständnisses der Musikindustrie von geistigem Eigentum zu schärfen.
Natürlich, und da stimme ich Dir einerseits zu und lade unsere Leser andererseits dazu ein, sollte sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden und in Ruhe die sehr guten Argumente beider Seiten betrachten. Leider muss ich zugeben, dass der Cut-Up relativ einseitig beim Leser ankommen mag. Das liegt nicht so sehr an meiner Textauswahl wie daran, dass in den Stunden, in denen ich letzte Nacht die Blogosphere durchlesen haben, schlichtweg kaum nicht-kritische und zugleich ordentlich formulierte Reaktionen zu finden waren.
Mit freundlichen Grüssen aus der geekosphere :-)
April 26th, 2008 at 16:06
Tjaja, der Text ist schlauer als der Autor…
April 26th, 2008 at 16:11
Classless: wie ist das denn zu verstehen, auf was beziehst du dich in deinem Kommentar?
April 26th, 2008 at 18:44
Darauf, daß Cut-ups bei aller bewußt getroffenen Auswahl und Montage des Materials dem Monteur wundervoll demonstrieren, wie begrenzt seine Kontrolle über jeglichen Text - und vor allem dessen Implikationen und Wirkung - notwendig bleibt.
May 2nd, 2008 at 17:22
Musicload 2 Mai 2008:
Madonna / 4 Minutes [Featuring Justin Timberlake And Ti…]
Titel € 1,49
Irgendwas läuft auf jeden Fall schief….
May 3rd, 2008 at 11:47
brotcast: sehe ich genauso