Beobachtungen bei der Kommunalwahl 2008 in Bayern
German March 3rd, 2008Ich moechte von meinen Beobachtungen bei der Kommunalwahl in Bayern berichten. Der Hintergrund der Beobachtung ist die Verwendung der Barcode Scanner bei der Auszaehlung der Stimmen. Dazu gab es ja eine Pressemeldung des CCC.
Ich war Wahlbeobachter in der Gemeinde Kleinaitingen im Landkreis Augsburg, Schwaben. Ich moechte bereits jetzt betonen, dass die Atmosphare sehr freundlich war und man sehr nett zu mir war, ich konnte in Ruhe beobachten. Um 18 Uhr wurde die Wahl beendet und die Vorbereitungen fuer die Auszaehlung haben begonnen.
Ein erster Kritikpunkt noch zur Wahl selbst waren die “Wahlkabinen”. Es waren lediglich Tische mit Holzplatten an den Seiten. Man war also nicht sehr gut vor Blicken geschuetzt. Gerade bei dem Wahlzettel fuer den Kreistag konnte man sich zumindest grob denken, wie die Person waehlt. Dieser grosse Zettel mit moeglichen 70 Stimmen war in etwa DIN A2 gross, moechte mich da aber nicht festlegen.
Es waren zwei Computer von der Verwaltungsgemeinschaft Grossaitingen zur Verfuegung gestellt worden auf denen die Software OK Wahl installiert war. Es waren zwei unterschiedliche Rechner von der Hardware her, ich tippe diese Rechner waren davor ganz normal in der Verwaltung verwendet worden. Es war Windows 2000 als Betriebssystem installiert und an Software konnte ich Antivir XP, Word, Excel, Internet Explorer und einen vollen Papierkorb auf dem Desktop erkennen. Die PCs waren nur am Strom angeschlossen und an keinem Netzwerk. Zur Speicherung der Daten wurden an diesen beiden Rechnern Disketten verwendet.
Die Wahl zum Buergermeister und zum Landrat wurden von Hand ausgezaehlt. Gemeinderat und Kreisrat wurden mit der Barcodemethode ausgezaehlt. Es wurden Tische als Trennlinie aufgebaut damit ich nicht direkt an die Tische und Computer konnte, dies sei aus Sicherheitsgruenden so. Der Nachteil war dabei, dass ich nicht direkt auf die Monitore sehen konnte im weiteren Verlauf, da diese von mir weggedreht aufgestellt waren. Gegen Ende konnte ich jedoch doch noch direkt vor Ort zusehen. Meiner Meinung nach, traegt das nicht zur Transparenz bei. Die Absperrung selbst war in Ordnung, man war trotzdem nah an der Auszaehlung dran.
Der Vorgang war wie folgt: Eine Person war am PC und kontrollierte die Eingabe, eine zweite Person bediente den Scanner und zwei weitere Personen sortieren die Stapel nach den vorgegeben Richtlinien. Nach der Sortierung halfen diese Personen bei der Kontrolle am Bildschirm. Es war also erkennbar was der Scanner registriert und am Monitor nachzuvollziehen. Bereits in der fruehen Phase konnte man sehen, dass die Koordination noch nicht optimal war. Gerade Leute die wohl eher selten mit dem Computer zutun haben, hatten Probleme oder kamen nur sehr langsam mit der Bearbeitung voran.
Bei der Sortierung wurde auch jeder Zettel mit einem eigenen individuellen Barcode versehen, damit wurde dieser beim Einscannen registriert. Diese nachtraegliche Identifizierung des Wahlzettels fuehrt aber nicht dazu, dass man diesen nun einer Person zuordnen koenne, sehe ich daher also als problemlos an.
Gegen 20 Uhr waren bereits die von Hand gezaehlten Zettel erledigt und auch der Gemeinderat war fast bekannt. Mir wurde jedoch gesagt, dass die Auszaehlung des Gemeinderates diesmal wohl laenger dauern wuerde, man hat also keine Zeitersparnis in diesem Fall durch die Barcodescanner bekommen. Ob die Sortierung waehrend dem Einlesen so geplant ist kann ich auch nicht sicher sagen. Auch ein freies Zitat habe ich aufgeschnappt: “Wenn das System sagt er ist gueltig, wird es schon passen!”. Man vertraut dem System also scheinbar schon, obwohl man es zum ersten Mal einsetzt. Was mir positiv aufgefallen ist, dass sich die Personen bei den Aufgaben abwechselten, so blieb es nicht bei jedem bei der selben monotonen Arbeit. Trotzdem waren die meisten sehr froh, als es endlich geschafft war.
Als man noch im hinteren Bereich am scannen war, wurden vorne bereits die anderen Wahlergebnisse festgehalten. Die Eintragungen sorgten wohl fuer Verwirrung, es war wohl nicht immer sofort klar, welche Zahlen in welches Feld muessen. Eventuell sollten die Wahlhelfer im Vorfeld noch besser informiert werden. Es kam auch ein Verbesserungsvorschlag der Wahlhelfer, der zwar nichts direkt mit den Scannern zutun hat, aber es sollten wohl bessere Stifte verwendet werden. Mit Kugelschreiber waren Streichungen und Kreuze teilweise nicht gut erkennbar auf dem grossen Wahlzettel, da die Felder zu klein sind.
Als es dem Ende zuging wurde noch ein dritter Rechner, ein Laptop aus der Gemeinde, zur Hilfe herangezogen. Diese Entscheidung war wohl ein Fehler. Man war zwar nun etwa 2-3 Stunden frueher fertig, aber es ergab sich am Ende folgende Problematik: die Auszaehlung war auf 3 Rechner verteilt, es wurden also Teilergebnisse ermittelt. Die Software sollte dies eigentlich einwandfrei erledigen. Man importiert am Ende an einem Rechner alle anderen Teilzaehlungen und laesst sie aufsummieren.
Nun, am Ende hatte man 532 Waehler und somit 532 abgegebene Wahlzettel, jedoch gab der Computer nur 509 abgegebene Wahlzettel aus. Das Problem kommt wohl daher, dass am Laptop eine Vollzaehlung eingestellt war, also auf dem dort verwendeten USB-Stick. Die Importierung der Daten konnte nicht vollstaendig erfolgen, es wurden zwar die einzelnen Stimmen mit eingerechnet, aber die Wahlzettel selbst nicht (23 Stueck). Es sieht also entweder nach einem Bedienungsfehler der Wahlhelfer oder einem Fehler mit der Software aus. Auch die Anzeige generell sorgte fuer viel Verwirrung und man wusste sich nicht so recht zu helfen. Es wird sich nun zeigen woran es konkret gelegen hat und ob man noch einmal zaehlen muss.
Abschliessend kann ich sagen: die Zeitersparnis ist erst bei einer gewissen Menge an Waehlern und einem grossen Wahlzettel zu erkennen. Dennoch sehe ich eindeutige Probleme mit der Software und der Bedienung. War zu Beginn noch ein Grossteil sehr optimistisch, kam es mir gegen Ende vor, als würde man doch eher das alte System bevorzugen.
Mein persoenliches Fazit: Man sollte wieder auf das alte System, das von Hand zaehlen setzen, bis wirklich eine sinnvolle und effektive Loesung fuer die vorhandenen Probleme gefunden wurde.
Und wie habt ihr in Bayern das Ganze erlebt?
- Übersicht über Beobachtungen Kommunalwahlen in Bayern auf wahlbeobachtr.de
- Beitrag auf Netzpolitik.org
- Wahl 08 Wiki des CCC Regensburg
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March 3rd, 2008 at 12:54
“Windows 2000, Antivir” *lul*
Irgendwann noch ein Notebook aus der Gemeinde… da war Langen ja gar nichts dagegen.
Vielen Dank, Andi, für die Mühe die Du Dir gemacht hast.
March 3rd, 2008 at 13:25
Sehr bedenklich …
March 3rd, 2008 at 18:26
Also irgendwie will meine Trackback-Funktion nicht, deswegen hier mein Link zur Sache: https://www.die-welt.net/index.php/blog/217/Hey%2C_braucht_ihr_Hilfe_bei_der_Wahlauswertung%3F_Ich_hab_mein_Laptop_mit...
March 4th, 2008 at 0:00
danke fuers beobachten und fuer den bericht.
ist es eigentlich bekannt ob die rechner (aus der verwaltung) + laptop vor der wahl wenigstens nochmal irgendwie ueberprueft bzw. “fuer die wahl angepasst” wurden?
March 12th, 2008 at 19:17
OMG
Ich mein, warum ausgerechnet in Bayern…
Wenn das die Spinnerten im Norden machen, who cares ;-)
March 13th, 2008 at 12:22
Naja, wenn die CSU zu wenig Stimmen hat, werden halt die der SPD oder Linken oder wem auch immer einfach nicht mitgezählt und dann stimmt das Ergebnis wieder :-)
Aus welchem anderen Grund sollte man sonst Computer verwenden - ausser um die Transparenz zu nehmen?
Meine Meinung:
Was in den USA funktioniert hat, funktioniert hier auch. Wir doofen deutschen adaptieren doch alles von dort - vom Fastfood, über das Geschäft mit der Angst, bis hin zum Wahlbetrug…. Natürlich ist das hier nur meine Meinung :-)
Keep on Abschreibung in Milliardenhöhe,
Peter